DIY-5×4-Großformatkamera

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„Oh, das wird gar nicht so gut, was Du da machst.“
S. Kilb

Analog fotografieren führt oft zu Begehrlichkeiten.
Bei mir führte der erste Kontakt mit dem Mittelformat zu einer langen serie von Käufen und Verkäufen von Kameras. Begonnen hat alles mit einer Mamiya m645, also eine Kamera mit einer Negativgröße von 6×4,5cm (und ich könnte mich immer noch dafür treten, dass ich sie nach zehn treuen Jahren verkauft habe). Jedenfalls wuchs das Format und derzeit mache ich die meisten Aufnahmen mit 6×9-Kameras… und schiele seit geraumer Zeit in Richtung Großformat.
Aber nur zum Testen eine kaufen?
Nöööööö!

Vorüberlegungen

Eine Kamera – so sagt man – ist nichts als ein lichtdichter Raum. Das stimmt dieser tage nicht mehr so ganz, weil kameras fest verbaute Technik im Innenleben haben, aber vom Prinzip her stimmt das immer noch.
Genau genommen ist eine Kamera ein lichtdichter Raum, der einen bestimmten Abstand zwischen Objektiv und Filmebene definiert.
Dieses Schätzchen hier ist eine Mamiya Super Press 23, eine 6×9-Mittelformatkamera.
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Das Objektiv deckt also 6x9cm ohne Vignettierung in den Ecken ab.
Bemüht man den Satz des Pythargoras, bedeutet dies, dass, weil (6×6)+(9×9)=(10,82×10,82), mindestens ein Kreis mit dem Durchmesser der Diagonalen, also 10,82 gut damit belichtet werden können sollten werden gehabt gemacht und so.
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4×5 Inch entsprechen 10,5×12,7cm, also sollte das Objektiv in der Lage sein, Planfilm bis zum Rand kreisrund zu belichten und dann vermutlich irgendwann abzustinken.
Also bei eBay drei 4×5-Plankassetten (s.u.) gekauft und einen Fehlversuch beim Bau gestartet und dann erstmal vier Monate liegen gelassen…
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Inzwischen habe ich mir (oh, heiliger Baumarkt, gebenedeit bist Du unter allen Geschäften dieser Welt, nur Dir allein will ich meine Seele verschreiben) eine Schieblehre zugelegt.
Also erst mal alles ordentlich vermessen.
Ich gebe hier keine genauen Maße an, weil sich im Laufe des Projektes herausgestellt hat, dass ich ein paar Maße etwas großzügiger hätte definieren können.
Aber die wichtigen Maße sind:
– Breite der Kassette
– Höhe der Kassette bis zur Lichtsperre
– Breite und Höhe der Belichtungsfläche
Dann habe ich im Baumarkt (oh, Baumarkt…!) alles für 9,- aus Paulownia zusägen lassen.
Vorteil: sehr leicht und im Gegensatz zu Fichte bei den Brettern keine abgerundeten Kanten und völlig harzfrei.
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Hier jetzt die Frontplatte für das Objektiv und die beiden Bretter, zwischen dennen die Planfilmkassette sitzen soll.
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In der Mitte die Belichtungsfläche ausgesägt und jetzt die Anschlagskante für die Planfimkassette herausgearbeitet.
Dabei habe ich etwas schlampig ein Stück herausgebrochen und mir den Kommentar vom Beginn des Tutorials eingehandelt…
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Objektiv ausmessen.
Schöne Schieblehre, oder?
Hab‘ ich aus dem Baumarkt!
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Innen- und Außenmaße übertragen.
Hier habe ich einen mittelschweren Fehler gemacht.
Der innere Holzring sollte mir als Lichtdichtung dienen, hat dann aber die Schnecke des Objektivs blockiert.
(kommt weiter unten)
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Zum Glück hatte ich noch die Alu-Objektivhalterung vom ersten Bauversuch (Praktisch: Aluschiene mit 2mm Dicke passt exakt in die Bajonettrille des Objektivs. Dabei war aber sehr viel Platz zwischen Objektiv und Außenrand, weswegen ich diesmal das ganze etwas weiter nach außen verlagern wollte.
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Noch mehr von der Aluschiene für kleine unterlegscheiben als Abstandhalter.
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BÄMM!
Käffchen, Kippchen, Freudentanz, ein paar Urschreie und Lobpreisungen des Baumarktes und meiner selbst.
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Hier jetzt der Nicht-machen-Schritt.
Innerer Holzring blockiert Schnecke.
Nicht machen!
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Frontteil mit Bodenteil und einem Seitenteil verleimen.
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Mit der Mattscheibe wollte ich es mir etwas einfacher machen. Reduziert natürlich die Anzahl meiner Planfilmkassetten, aber so habe ich die Mattscheibe genau da, wo später der Film ist.
Die Schieber rausgenommen und die wirklich extrem robuste Metallplatte einigermaßen dicht an der Kante mit einer Trennscheibe entfernt.
Ein Rand muss stehen bleiben, damit die Mattscheibe plan liegt.
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Als Mattscheibe habe ich eine Laminiertüte zugeschnitten.
Passt von der Dicke her ziemlich genau in die Führungsschiene.
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Nochmal die getrocknete Frontbodenseitenkombi…
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…und das unschöne Herausbrechen des Holzringes, weil wegen blockiert die Schnecke.
Das Innere der Kamera habe ich mit verdünntem Scriptol geschwärzt, um Reflektionen zu vermeiden.
Hatte gerade nix anderes da, funktioniert aber ganz gut.
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Alternativansatz:
Ein Papierring bei eingesetztem Objektiv um das Objektiv legen (unbeweglicher Teil).
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Mit schwarzem Heißkleber auffüllen.
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Und so passt das.
kommt kein Licht mehr von vorne durch.
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Kalibrierung:
Objektiv auf die Naheinstellung gestellt und die beiden Halterungsbretter mit der dazwischengeklemmten Mattscheibe so lange vor und zurückbewegt, bis das Bild scharf war.
Vorderteil und Mattscheibe sehr gut festgehalten, während das hintere Teil mit Leim festtrocknete.
Dann Vorderteil verleimt.
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Seitenteil anleimen, Deckel druff und schön beschwert trocknen lassen (auch hierbei ist eine Super 23 sehr sehr hilfreich).
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So, heute muss ich noch die Stativgewinde einsetzen.
Film ist bestellt und sollte auch heute kommen.
😀
Fertig!

 

Digitalisierung – stitchen statt scannen

Das ist ja voll umständlich. Was bist Du denn für’n Spacken?
S. Kilb

Aber ernsthaft.
Analog fotografieren und (der Einfachheit geschuldet) digital weiterarbeiten ergibt nur Sinn, wenn man mit qualitativ hochwertigen Digitalisierungen arbeiten kann.
Es bringt nichts, sowas hier durch die Gegend zu wuchten…
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…wenn man neben beachtenswerten Muckis nicht auch das (in sinnvollem Rahmen – aber dazu später) Beste herausholen kann.
Flachbettscanner taugen meiner Erfahrung nach wenig und da man für hochwertige Scans so ca. 3,- bis 3,50 berappen muss, habe ich eine kleine in-house-Lösung zusammengeschustert, die eventuell für den einen oder anderen interessant sein dürfte.

Zutaten

1. Ein Tablet oder Smartphone als Lichtquelle
2. Ein Makrobalgen samt Objektiv (hier: Novoflex mit M42-Anschluss und 80er Objektiv)
3. M42 auf Canon EOS Adapter
4. DigitaLIZA aus dem Lomo-Shop
5. Kugelkopfstativkopf (geht auch anders, ist aber am Bequemsten)
6. Funkauslöser
7. Stativ mit Reproanschluss
8. Kleines selbstgebautes Tischchen (kürzeste Möbelbeine aus dem Baumarkt, Loch in der Mitte)
9. Eine Digicam
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Aufbau und machen

Kugelkopfstativköpfe nehmen zwischen den Beinen am wenigsten Platz ein.
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Mein Adapter ist leider nicht so gefräst, dass es den angeschraubten Balgen in Normalstellung bringt. Nicht wirklich hinderlich, eher ein Wohlfühlproblem.
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Der komplette Aufbau:
Kamera unter Stativ, Tischchen unter Kamera, DgitaLIZA auf Tischchen, Tablet mit Taschenlampenapp unter Loch im Tischchen.
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Die Digitaliza ist im Grunde einfach eine Klemmvorrichtung. Imho mit 39,-€ mindestens 20,- zu teuer, aber meine versuche, selber etwas zu basteln sind auf das kläglichste gescheitert, weil absolute Planlage erforderlich ist (ich hatte versucht, aus einer Aluplatte mit Trennscheiben etwas Benutzbares zu machen, aber selbst bei größter Umsicht verbiegt sich da etwas).
Das „Negativ“ hier ist natürlich ein Positiv (Agfa Copex Rapid, im Scala-Prozess entwickelt – toller Film).
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Auf einem Abschnitt des Bildes, auf dem möglichst die hellsten und dunkelsten Partien vertreten sind mit offener Blende scharfstellen.
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Digitalzoom hilft bei der Feineinstellung.
Dann Abblenden auf 8 oder 11 und Probebilder machen, um die Belichtugszeit festzulegen (die Belichtungsmessung ist überfordert, weil sie keine Informatiionen vom Objektiv bekommt, also grundsätzlich in M fotografieren. Das Schöne ist: wenn ein Film durchgängig von der Belichtung her gut ist, müssen die Einstellungen nicht noch einmal verändert werden. Negativfilm ist sogar noch einfacher, man muss nur darauf achten, nach oben hin kein Clipping zu bekommen. Da ist ein Histogramm schon ganz hilfreich.
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Jetzt immer schön behutsam Stück für Stück abfotografieren.
Anfangsecke wählen (vorzugsweise quer am schmalen Ende), mit Funkauslöser und GANZ WICHTIG: mit Spiegelvorauslösung arbeiten. Die Belichtungszeiten liegen irgenwo zwischen 0,5 und 1,5 Sekunden und da kann ein Spiegelschlag ganz fix zu Verwacklungen auf der Filmkornebene führen. Für die beiden Beispielbilder hier im Tutorial habe ich mit dem Balgen die minimale Vergrößerung gewählt, also den Balgen nicht ausgefahren. Mit dem Crop-Sensor der 550D bedeutet das ungefähr, dass ein Abschnittsbild so groß ist, wie ein Kleinbildnegativ, also eine Fläche von 24x36mm mit 18 Megapixeln abgebildet wird. Das ist für die meisten Objektiv-/Filmkombinationen auch reichlich (viele Filme haben ein höheres Auflösungsvermögen als die meisten Objektive – da schlägt die Chemie die Physik). Unten habe ich noch ein Beispiel verlinkt, in dem ich das maximal Mögliche ausprobiert habe – und dabei etwas über dem maximal Vernünftigen gelegen habe).
Wie auch immer:
mit dieser Balgeneinstellung kommt man bei ca. 30% Überlappung der Bilder (nötig für die Stitchsoftware) auf ungefähr 12 Bilder bei 6×9, 6 Bilder bei 6×6 und 4 Bilder bei 6×4.5.
Hier das Beispiel:
oben links die Überlappungsbereiche der ersten beiden Bilder, oben rechts die lose (und nicht ausgerichteten) übereinandergeschobenen Einzelbilder, unten alle Bilder in der richtigen Reihenfolge.
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jetzt nur noch im Raw-Konverter Kurven anpassen (bei Negativen natürlich die Kurven umkehren – obwohl man das natürlich auch später machen kann).
Farbnegative sind leider die Pest, hier im ersten Schritt einen vernünftigen Weißabgleich hinzubekommen ist quasi unmöglich.
Ich arbeite von hier an bis zum endgültigen Bild mit 16 bit TIFFs. Frisst erstmal eine Menge Platz, aber wenn die RAWs und die EinzelTIFFs gelöscht sind passt das schon.
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Zum Stitchen benutze ich PTGUI. Photoshop hat dafür auch eine Funktion, aber in PTGUI kann man Bilder, die in der automatischen Erkennung nicht genug Überlappungspunkte haben gut manuell einpflegen. Das betrifft zumeist relativ gleichmäßige Flächen oder größere Himmelsabschnitte.
Obendrein hat PTGUI einen Batch Stitcher, also kann ein Stapel Panoramen mit gleicher Einzelbildanzahl automatisch abgearbeitet werden.
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Tadaaaaaa:
das fertig gestichte Bild.
Das Negativ ist leider etwas vollgekrümelt gewesen, aber wen die volle 109,4-Mega-Pixel-Version (12679×8630) interessiert: Hier klicken (ca. 50 MB, also nicht mit dem Mobiltelefon runterladen ^^)
Kamera: Mamiya Super 23, Format 6×9
Film: Agfa Copex Rapid, belichtet auf ASA 80, entwickelt im Scala-Prozess
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Ein erstes Testbild aus meiner neuen Texas-Leica (Fuji GW690 II), Format 6×9. Film: Kodak T-Max 100
Volle Auflösung: Hier klicken (ca. 50 MB, also nicht mit dem Mobiltelefon runterladen ^^)
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Ein Ausschnitt in 100%
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Und zum Abschluss ein Beispiel für maximale Auflösung.
Kamera: Mamiya m645, Format 6×4.5
Film: Agfa Copex Rapid, belichtet auf ASA 80, entwickelt im Scala-Prozess
Abfotografiert mit voll ausgefahrenem Balgen, also „bis aufs Korn“.
Bei dem Fotoformat 6×4.5 (und dem feinauflösenden Film) wären meiner Einschätzung nach 75% dessen, was ich gemacht habe noch sinnvoll. Ich werde es wohl mal mit 6×9 ausprobieren.
Was normalerweise kein Mensch weiss: das Format .jpg hat eine Obergrenze von 25.000 Pixeln Seitenlänge.
:)
Das Bild ist mit 16880×22080 Pixeln rund 150 MB groß, daher habe ich es gezippt und zum Download bereitgestellt: Hier klicken
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Und hier ein kleiner 100%-Ausschnitt:
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Ich hoffe, dass das Tutorial für ein/zwei/drei Leute interessant und hilfreich ist.
Ich freue mich natürlich über Feedback und Fragen unten in den Kommentaren.

Multi-Fisheye-Lens

Na gut, ich hatte just nur zwei Türspione zur Hand, aber es passen noch mindestens zweie mehr.

Material

Auto Revuenon 1:2,8 35mm Objektiv – analog M42-Anschluss (konnte ich opfern, weil die Blende eh nicht mehr schliesst), Heißkleber, zwei (oder vier, vielleicht sogar fünf) Türspione Abus mit 155° Sichtwinkel und unvermeidbar: schwarzer Glitzernagellack (ich glaube, dabei bleibe ich, das Wort ist so schön).
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So, Türspione so aufsetzen, dass sie von Vorne gesehen links unten und rechts oben auf der Linse sitzen (oder umgekehrt, je nach gusto).
Und ordentlich mit Heißkleber auffüllen.
Wenn Revue seine Seriennummern mit dem Produktionsjahr begonnen hat, dann ist dieses Objektiv so alt wie ich!
Guter Jahrgang.
Und eines meiner neuesten Analogobjektive… tsk, DDR-Produnktion, gibt schon nach 40 Jahren den Geist auf.
Da lobe ich mir doch die russischen Bruderstaatsoptiken!
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So sieht das dann aus.
Gut abkühlen lassen.
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Zwei dicke Lagen Glitzernagellack auftragen (zwischendurch trocknen lassen).
Memo to self: Fingernägel säubern vor Tutorialerstellung.
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Fert’sch (wie man in Leipzig sagt).
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Belichtung herausfinden

Glücklicherweise habe ich ein M42-auf-Canon-Adapter, also musste ich jetzt nicht einen Film mit unterschiedlichen Belichtungszeiten verballern und mit Notizen machen.
Leider kommen die Kreise dank des Nicht-Vollformat-Sensors nicht voll auf das Bild.
Der Crop-Faktor bei der 550D macht aus 35mm ungefähr 55mm, also wird nur ein kleinerer Bereich der Linsenmitte abgebildet.
Wie auch immer, für einen Belichtungscheck reicht es.
Wie man hier sieht, schlägt der Belichtungsmesser diverse Blenden-/Zeitenkombinationen vor.
Da ich bei ISO 100 auf 1/25sec gekommen bin, liegt die Wahrheit (nach einigen Messungen mehr) irgendwo zwischen Blende 2,8, 3,5 und 4.
Vermutlich Gefühlssache.
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Ergebnisse

Da der schäbige Regen meinen Testausflug sabotiert hat nur ein paar Bilder von hier bis zum Supermarkt und zurück.
^^
Um sie interessanter zu machen, habe ich einfach den schrummeligen Lomo-Plugin von GIMP drüberlaufen lassen.

DIY-Not-So-Neutral-Density-Filter

Neutraldichtefilter, kurz ND-Filter, sind einfache gleichmäßig grau gefärbte Filter, die die Menge des Lichtes reduzieren, die durch das Objektiv auf den Sensor/Film fällt.
Das kann praktisch sein, wenn man bei hellstem Sonnenschein mit weit geöffneter Blende (z.B. für Portraits) fotografieren möchte oder einem Wasserfall/Brunnen/Teich/Fluss dieses leicht überstrapazierte weiche Aussehen verpassen möchte.
Für diese simple Aufgabe sind ND-Filter ungemein teuer, ab 40,-€ aufwärts kann man rechnen.
Mit ein bißchen Bastelei (und etwas Glück beim Komponentenkauf) kann man sich für unter 2,-€ etwas ähnlichesbauen.
Ähnlich deshalb, weil es gleichzeitig ein beachtlicher Grünfilter ist.
nichts, was man mit einem Weißableich nicht hinbekommen würde, wenn man digital fotografiert.
Hier eine reich bebilderte Bauanleitung, die m.E. keine Fragen offen lassen dürfte.
(Mit Fotografieren hat das ganze ungefähr 30 Minuten gedauert, ich denke also, das nachbauen dürfte so 15-20 Minuten maximal dauern)

Material

Ein Schweissglas (hier DIN9), günstig zu bekommen bei eBay, ein alter UV-Filter (Grabbelkiste Fotoladen für 0,50 €) oder wahlweise ein leeres Filteradapter, ein Glasschneider, Klebeband, schwarzen Glitzernagellack (ähm, habe mein schwarzes Gewebeband nicht gefunden… aber der Lack tut es auch) und ein kleiner Vorrat frisch gemahlenen und aufgebrühten Kaffee.
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und so geht es

Als erstes legt man den Filter auf das Schweissglas und klebt mit etwas Sicherheitsabstand die groben Aussenlinien ab.
Das spart hinterher eine Menge Arbeit, um das Glas in Form zu bringen.
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Dann mit etwas Druck (knirschendes Geräusch) mit dem Glasschneider an den Klebekanten entlanggehen.
Der Begriff Glasschneider ist ein wenig irreführend.
Glasritzer trifft es besser.
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Jetzt etwas stabiles unter den großen Teil des Glases dicht an die Bruchkante schieben und enthusiastisch auf den Teil klopfen, der entfernt werden soll.
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Auf der linken Seite ist es bei mir gerade noch so gut gegangen…
Fingerspitzengefühl!
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Die aufgedruckte Glasbezeichnung lässt sich mit einem Skalpell oder Messer gut wegkratzen.
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Wenn man wie ich vergessen hat, die Heißklebepistole unter Strom zu setzen kann man jetzt ein bisschen Kaffee schlürfen, während sich das Ding aufheizt.
Den Heißkleber innen und auf der Kante des Filters auftragen und hurtig (wird schnell kalt auf Metall) die Glasscheibe aufsetzen.
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Hier sieht man den „Sicherheitsrand“ vom Aussenrand des Filters zum Glasrand hin.
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Dann knirscht man sich mit dem Glasschneider gemächlich von Aussen so dicht wie möglich an den Filter heran.
Ich knirsche mein Glas gerne mit Qualitätswerkzeug „made in Germany“.
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Damit darf ich zitiert werden.
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Jetzt kann das Glas nochmal runter und der Arbeitsplatz sauber gemacht werden.
Es ist extrem wichtig, diese ganzen kleinen Glassplitter zu erwischen.
Die warten sonst tagelang auf eine Chance, sich in eine unvorsichtig über den Tisch gehuschte Hand zu bohren.
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Die Glasteile, die später innen liegen sollen richtig penibel mit einem Brillenputztuch säubern…
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…und großzügig von außen mit Heißkleber aneinanderbappen.
Den Kleber ruhig über die gesamte Glaskante ziehen, das deckt eventuelle scharfe Kanten ab.
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Na, das schluckt doch ordentlich Licht und ist schön grün, oder?
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Um eventuell von der Seite eindringendes Licht auszuschalten pinseln wir mit unserem in keinem Herrenhandtäschchen fehlenden schwarzen Glitzernagellack einmal rundum über den Heißkleber.
Alternativ (beziehungsweise vorzugsweise) kann man natürlich schwarzes Gewebeband nehmen.
Das sorgt obendrein für zusätzlichen Halt.
dafür glitzert es leider nicht!
Obwohl es einem natürlich freisteht, das Gewebeband noch einmal mit Glitzernagellack anzumalen…
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Was für ein Monster habe ich denn nun erschaffen?

Das gilt es auszuprobieren.
Am einfachsten geht das, wenn man sich eine gut zu rechnende Belichtungszeit sucht und sich dann die Sekunden hochschläft.
Aus Faulheit habe ich einfach den mäßig schönen Ausblick aus meinem Küchenfenster gewählt und zu meiner Wunschbelichtungszeit von 1/100sec die Blende 5,6 gefunden.
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Autofokus abschalten und gaaaaaanz vorsichtig den Filter aufschrauben (wenn es hell genug ist funktioniert der Autofokus auch durch den Filter, aber heute halt nicht).
Bei 1/100 sieht man garüberhauptnix, also 1sec (x100).
Noch recht dürftig, oder?
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Also 10sec (x1000).
Schon besser.
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20sec (x2000).
joa, aber da geht noch was.
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40sec (x4000).
Ungefähr die Detailwiedergabe wie bei dem Bild ohne Filter.
Gute Rechengrundlage.
Falls sich jemand über den großen Sprung von 20 zu 40 Sekunden wundert ein wenig Fotowissen am Rande:
die Verdoppelung der Belichtungszeit entspricht einer Blendenstufe.
Mit anderen Worten, wenn jetzt 40 Sekunden unsere optimale Belichtungszeit sind würde eine Verdoppelung auf 80 Sekunden lediglich eine Blende überbelichtung bedeuten.
Es kommt also nicht so auf die Sekunde an.
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So sieht dann das Bild aus, wenn ein schneller Weißabgleich gemacht wurde.
Kann man sicher mehr Mühe reinstecken, aber bei dem Motiv…
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Übrigens haben Messucherkameras (hier die Zorki 6, Baujahr 1964) den Vorteil, dass Sucher und Fokussierung unabhängig vom Objektiv sind und mit aufgesetzen Filter bequem scharfgestellt werden kann.
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Tip zum Schluss

So viel Spaß Kopfrechnen auch machen mag, 1/15×4000 auf die Schnelle ist frohsinnmindernd.
Ein paar sinnvolle Belichtungszeiten kann man sich aufschreiben und mitnehmen.
Für Din9-Gläser z.B.:
1/4000=1sec, 1/2000=2sec, 1/1000=4sec, 1/500=8sec, 1/250=16sec, 1/125=32sec, 1/100=40sec, 1/50=1min20; 1/25=2min40, 1/10=6min40, 1/5=13min20, 1/2=33min20, 1=1h6min40
und da dürfte dann auch der Akku leer sein und das Ende der noch sinnvollen Belichtungszeiten.
^^