DIY-Not-So-Neutral-Density-Filter

Neutraldichtefilter, kurz ND-Filter, sind einfache gleichmäßig grau gefärbte Filter, die die Menge des Lichtes reduzieren, die durch das Objektiv auf den Sensor/Film fällt.
Das kann praktisch sein, wenn man bei hellstem Sonnenschein mit weit geöffneter Blende (z.B. für Portraits) fotografieren möchte oder einem Wasserfall/Brunnen/Teich/Fluss dieses leicht überstrapazierte weiche Aussehen verpassen möchte.
Für diese simple Aufgabe sind ND-Filter ungemein teuer, ab 40,-€ aufwärts kann man rechnen.
Mit ein bißchen Bastelei (und etwas Glück beim Komponentenkauf) kann man sich für unter 2,-€ etwas ähnlichesbauen.
Ähnlich deshalb, weil es gleichzeitig ein beachtlicher Grünfilter ist.
nichts, was man mit einem Weißableich nicht hinbekommen würde, wenn man digital fotografiert.
Hier eine reich bebilderte Bauanleitung, die m.E. keine Fragen offen lassen dürfte.
(Mit Fotografieren hat das ganze ungefähr 30 Minuten gedauert, ich denke also, das nachbauen dürfte so 15-20 Minuten maximal dauern)

Material

Ein Schweissglas (hier DIN9), günstig zu bekommen bei eBay, ein alter UV-Filter (Grabbelkiste Fotoladen für 0,50 €) oder wahlweise ein leeres Filteradapter, ein Glasschneider, Klebeband, schwarzen Glitzernagellack (ähm, habe mein schwarzes Gewebeband nicht gefunden… aber der Lack tut es auch) und ein kleiner Vorrat frisch gemahlenen und aufgebrühten Kaffee.
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und so geht es

Als erstes legt man den Filter auf das Schweissglas und klebt mit etwas Sicherheitsabstand die groben Aussenlinien ab.
Das spart hinterher eine Menge Arbeit, um das Glas in Form zu bringen.
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Dann mit etwas Druck (knirschendes Geräusch) mit dem Glasschneider an den Klebekanten entlanggehen.
Der Begriff Glasschneider ist ein wenig irreführend.
Glasritzer trifft es besser.
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Jetzt etwas stabiles unter den großen Teil des Glases dicht an die Bruchkante schieben und enthusiastisch auf den Teil klopfen, der entfernt werden soll.
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Auf der linken Seite ist es bei mir gerade noch so gut gegangen…
Fingerspitzengefühl!
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Die aufgedruckte Glasbezeichnung lässt sich mit einem Skalpell oder Messer gut wegkratzen.
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Wenn man wie ich vergessen hat, die Heißklebepistole unter Strom zu setzen kann man jetzt ein bisschen Kaffee schlürfen, während sich das Ding aufheizt.
Den Heißkleber innen und auf der Kante des Filters auftragen und hurtig (wird schnell kalt auf Metall) die Glasscheibe aufsetzen.
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Hier sieht man den „Sicherheitsrand“ vom Aussenrand des Filters zum Glasrand hin.
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Dann knirscht man sich mit dem Glasschneider gemächlich von Aussen so dicht wie möglich an den Filter heran.
Ich knirsche mein Glas gerne mit Qualitätswerkzeug „made in Germany“.
^^
Damit darf ich zitiert werden.
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Jetzt kann das Glas nochmal runter und der Arbeitsplatz sauber gemacht werden.
Es ist extrem wichtig, diese ganzen kleinen Glassplitter zu erwischen.
Die warten sonst tagelang auf eine Chance, sich in eine unvorsichtig über den Tisch gehuschte Hand zu bohren.
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Die Glasteile, die später innen liegen sollen richtig penibel mit einem Brillenputztuch säubern…
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…und großzügig von außen mit Heißkleber aneinanderbappen.
Den Kleber ruhig über die gesamte Glaskante ziehen, das deckt eventuelle scharfe Kanten ab.
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Na, das schluckt doch ordentlich Licht und ist schön grün, oder?
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Um eventuell von der Seite eindringendes Licht auszuschalten pinseln wir mit unserem in keinem Herrenhandtäschchen fehlenden schwarzen Glitzernagellack einmal rundum über den Heißkleber.
Alternativ (beziehungsweise vorzugsweise) kann man natürlich schwarzes Gewebeband nehmen.
Das sorgt obendrein für zusätzlichen Halt.
dafür glitzert es leider nicht!
Obwohl es einem natürlich freisteht, das Gewebeband noch einmal mit Glitzernagellack anzumalen…
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Was für ein Monster habe ich denn nun erschaffen?

Das gilt es auszuprobieren.
Am einfachsten geht das, wenn man sich eine gut zu rechnende Belichtungszeit sucht und sich dann die Sekunden hochschläft.
Aus Faulheit habe ich einfach den mäßig schönen Ausblick aus meinem Küchenfenster gewählt und zu meiner Wunschbelichtungszeit von 1/100sec die Blende 5,6 gefunden.
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Autofokus abschalten und gaaaaaanz vorsichtig den Filter aufschrauben (wenn es hell genug ist funktioniert der Autofokus auch durch den Filter, aber heute halt nicht).
Bei 1/100 sieht man garüberhauptnix, also 1sec (x100).
Noch recht dürftig, oder?
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Also 10sec (x1000).
Schon besser.
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20sec (x2000).
joa, aber da geht noch was.
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40sec (x4000).
Ungefähr die Detailwiedergabe wie bei dem Bild ohne Filter.
Gute Rechengrundlage.
Falls sich jemand über den großen Sprung von 20 zu 40 Sekunden wundert ein wenig Fotowissen am Rande:
die Verdoppelung der Belichtungszeit entspricht einer Blendenstufe.
Mit anderen Worten, wenn jetzt 40 Sekunden unsere optimale Belichtungszeit sind würde eine Verdoppelung auf 80 Sekunden lediglich eine Blende überbelichtung bedeuten.
Es kommt also nicht so auf die Sekunde an.
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So sieht dann das Bild aus, wenn ein schneller Weißabgleich gemacht wurde.
Kann man sicher mehr Mühe reinstecken, aber bei dem Motiv…
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Übrigens haben Messucherkameras (hier die Zorki 6, Baujahr 1964) den Vorteil, dass Sucher und Fokussierung unabhängig vom Objektiv sind und mit aufgesetzen Filter bequem scharfgestellt werden kann.
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Tip zum Schluss

So viel Spaß Kopfrechnen auch machen mag, 1/15×4000 auf die Schnelle ist frohsinnmindernd.
Ein paar sinnvolle Belichtungszeiten kann man sich aufschreiben und mitnehmen.
Für Din9-Gläser z.B.:
1/4000=1sec, 1/2000=2sec, 1/1000=4sec, 1/500=8sec, 1/250=16sec, 1/125=32sec, 1/100=40sec, 1/50=1min20; 1/25=2min40, 1/10=6min40, 1/5=13min20, 1/2=33min20, 1=1h6min40
und da dürfte dann auch der Akku leer sein und das Ende der noch sinnvollen Belichtungszeiten.
^^

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