Foto zu 3D-Objekt Teil 1: vom Bild zum 3D-Objekt

Willkommen zum ersten Tutorial auf psychoborg.org.
Zum Einstieg in das große Blogabenteuer habe ich mir ein echtes Schmankerl als Thema ausgesucht.

Wie wäre es, wenn man Objekte, Orte, Personen Pflanzen, etc. pp. „echt“ dreidimensional (also dreh- und skalierbar) im Netz darstellen könnte?
Großes Kino wäre das!

Und wenn das auch noch ohne Investition in teure Software ginge?
Hinreissend!

Nun ja.
Zum ersten Mal bin ich vor rund zwei Jahren auf interessante Lösungen für diese Idee gestoßen.
Leider haben alle Ansätze einen (oder zwei) massive Nachteile.
Allen gemein ist, dass eine Kalibrierungsvorlage – meistens eine weisse Fläche mit Punkten, an denen sich die Software bei der Berechnung der 3D-Objekte orientiert – benötigen, was zum einen die Flexibilität auf Null setzt und die Größe darstellbarer Objekte limitiert.
Obendrein kosten sie schon einen Happen Euronen.
Der Vorteil wiederum ist, dass sie alle einen Viewer bereitstellen, mit dem die Objekte ohne größere Zwischenschritte (und irgendwelcher Einstellungsveränderungen seitens der Nutzer) veröffentlicht werden können.
Wer sich ein paar der Programme anschauen mag: iModeller, Object Modeller Pro und das teuerste mit den meisten Features ist Photomodeler Scanner (vermutlich das, was bei CSI eingesetzt wird ^^).

Aber wir wollen es ja umsonst, gelle?

Als erstes brauchen wir die Cloud-Anwendung (macht mich auch nicht glücklich, dass es Cloud-basiert ist) 123D Catch und einen Account.
Einfach auf http://www.123dapp.com/catch gehen und alle Installationsschritte durchgehen.

Als zweites brauchen wir einen Haufen Bilder unseres Objektes aus unterschiedlichen Winkeln.
Ich habe hier mal etwas übertrieben und 39 Aufnahmen von meinem charmanten Assistenten Hase gemacht.

Wichtig dabei ist, dass möglichst jeder Winkel ein paarmal auf den Bildern auftaucht. Besonders bei Lücken im Objekt, wie beispielsweise zwischen Arm und Körper sind ein paar Detailaufnahmen wichtig, weil sonst hinterher eine Fläche gerendert wird, bei der Teile des Hintergrundes sichtbar bleiben.

Bei diesen Aufnahmen bin ich zweimal um Hase herumgerobbt und habe bei einer Runde die Bilder fast aus Bodenhöhe geschossen, bei der anderen Runde leicht von oben und habe dann noch 10/15 Detailaufnahmen gemacht.
Zur optimalen Fotoanordnung gibt es bei 123D Catch auch einige Tutorialvideos, aber im großen und ganzen kann man sagen: ausprobieren und lieber fünf Bilder zuviel als zu wenig machen.
Hilfreich ist auch mit kleiner Blende zu fotografieren, damit die Schärfentiefe so hoch wie möglich ist (Hier: ISO 400, f16 bei 1/60sec).

Nun zu Autodesk.

Autodesk benötigt mindestens drei Bilder, um ein sinnvolles 3D-Objekt zu erstellen.
Also würden drei Bilder theoretisch reichen, um das Gesicht einer Person darzustellen (Hlabprofil links, Halbprofil rechts und am Besten eins leicht von schräg unten, damit unter dem Kinn kein Loch entsteht).
Aber das ist Kleckerkrams und hier soll ein voll drehbares Rundummodell erstellt werden.

Einfach das Programm öffnen (Vernüpfung auf dem Desktop, falls angelegt, sonst raussuchen), auf „create new photo scene“ klicken, den Ordner mit den Bildern Eures Objektes ansteuern, alle Bilder auswählen, die dazugehören und „öffnen“ dücken.
Jetzt steht da „compute photo scene“ und wenn man da draufklickt bekommt man die Auswahl, sich per Mail benachrichtigen zu lassen, wenn die Szene fertig durchgerechnet wurde oder zu warten (wir erinnern uns: die gesamte Rechenarbeit übergeben wir einem Cloudprogramm).
Ist letztlich wumpe, wie man verfährt.

Einfach noch einen sinnvollen Namen für die Szene eingeben (z.B. „Hase“) und schwupps fängt das Programm an, die Projektdaten hochzuladen.
Die Berechnung kann je nach Bildanzahl und Komplexität ein ganzes Weilchen dauern.
Hase hat ein knappes halbes Stündchen gedauert, bis ich per Mail benachrichtigt wurde.
Also etwas Geduld ist nötig.

Ein Klick auf den Link in der Mail öffnet dann die Fotoszene in 123D Catch.
Da meistens irgendwelche Bildbestandteile nicht zu unserem Objekt gehören, kann man sie einfach mit dem Lasso (rot eingefärbt) maskieren und mit einem Druck auf die „Entf“-Taste Löschen und sich so zum eigentlichen Objekt durchknuspern.

Das Grün umrahmte Symbol bietet die Möglichkeit, eine andere Qualität der Renderung anzufordern (Standard ist „Medium“, also da geht noch was!).
123D Catch kann Youtubevideos mit Kamerarundflügen erstellen, wenn man Kamerapfade erstellt.
Da gehe ich jetzt nicht näher drauf ein, weil das ja nicht das ist, was wir hier machen wollen.

Stattdessen gehen wir auf „file“ -> „export scene as…“, wählen .obj als Dateiformat, geben dem ganzen einen sinnvollen Namen und Speicherort (ganz wichtig, das verschwindet per default irgendwo in den Untiefen der eigenen Dateien) und speichern das ab.

Wuhuuuuu! 3D-Objekt in weiterverarbeitbarem Format!

Hier könnte Teil 1 des 3D-Objekte-Tutorials enden, aber zumindest das Programm, mit dem die Weiterverarbeitung möglich wird will ich kurz ansprechen: Blender.
Blender ist ein mächtiges Open-Source-Programm, mit dem man komplette 3D-Animationsfilme erstellen kann (theoretisch können unsere erstellten Modelle also eine Rolle in einem Film spielen).
Für dieses kleine Tutorial und unsere Zwecke jedoch brauchen wir nur Blenders Fähigkeit, die .obj Dateien in anderen Formaten abzuspeichern.
Blender gibt es Zum freien Download unter http://www.blender.org/.

Über „file“ -> „import“ -> „Wavefront (.obj)“ kann dann das Objekt in Blender geladen werden.
das es vermutlich total schräg und riesengroß im Arbeitsbereich erscheint können wir es uns mit „rotate“ und „scale“ irgendwo mittig platzieren.

so!
Soweit zu Teil 1 des 3D-Tutorials.
In Teil 2 wird der Hase zum 3D-PDF!

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